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Martin und Klaus:

Eine Trackday-Uraufführung


Manchmal beginnen besondere Erlebnisse ganz unspektakulär – mit einem Gespräch über Hobbys. Als sich zwei Autobegeisterte während einer Reha kennenlernen, entsteht daraus eine spontane Einladung zu einem Trackday am Nürburgring. Für Klaus wird es die erste Begegnung mit Rennstreckenatmosphäre.

  • Veröffentlicht am
    13. Mai 2026
  • Text | Fotos:
    Martin Diepolder

Nach einer Herz-OP Ende Juli 2025 finde ich mich im August in einer Reha-Maßnahme wieder, wo man naturgemäß eine ganze Reihe von Leidensgenossen trifft. Man kommt zwangsläufig ins Gespräch – nicht nur über die jeweilige Krankheit, sondern auch über Gott und die Welt – und tauscht sich natürlich auch über Hobbys aus.

So geht mir das auch mit Klaus, der ebenso Autofan ist wie ich. Ich erzähle ihm, dass ich im zarten Alter von 45 Jahren einen Ferrari 348 Berlinetta für ein ganzes Wochenende gemietet hatte. Das führte dazu, dass ich mir nicht viel später einen vier Jahre alten F355 zulegte. Natürlich erwähne ich in diesem Zusammenhang auch die Trackdays, an denen ich seit über 15 Jahren als Mitglied des Pistenclubs – zunächst mit dem F355 – zusammen mit meinem Sohn Robin teilnehme.

Relativ schnell merkten wir allerdings, dass der Wagen weder von der Leistung noch von der Fahrwerkskonfiguration her konkurrenzfähig war, zumal man sich bei Ferrari seinerzeit auch noch das ESP gespart hatte. 2012 haben wir dann noch einmal „nachgerüstet“ und uns einen ebenfalls vier Jahre alten 430 Scuderia zugelegt. Klaus findet das alles äußerst spannend, sodass ich ihn spontan einlade, einmal mitzukommen.

Klaus und Martin im Campervan „Hubert“.

Der nächste passende Termin ist Montag, 20. Oktober 2025, am Nürburgring (Grand-Prix-Strecke). Urlaubs- und krankheitsbedingt bin ich längere Zeit nicht mehr auf einer Strecke gewesen, sodass es ohnehin höchste Zeit ist. Klaus erzählt mir daraufhin ganz euphorisch, dass er vor langer Zeit seinerseits einen 430 Spider im Sauerland selbst – zusammen mit dem Eigentümer – gefahren habe, was für ihn ebenfalls ein tolles Erlebnis gewesen sei. Er ist Feuer und Flamme und nimmt meine Einladung gerne an – für ihn eine echte Uraufführung.

Am Sonntag, 19. Oktober 2025, treffen wir uns gegen 18 Uhr in Erftstadt, kehren dort zu einem kleinen Abendessen ein und fahren anschließend hintereinander her zum Nürburgring – ich mit dem Campervan „Hubert“ und dem Anhänger, auf dem mein „Scudi“ mitreist. Wir parken im alten Fahrerlager und richten uns zum Übernachten ein. Zunächst sitzen wir noch am Esstisch, wo wir jeder noch zwei Bierchen zischen (alkoholfrei). Dabei erzählt mir Klaus, dass er sich inzwischen intensiv in die Materie „430 Scuderia“ eingearbeitet habe. Ganz begeistert lässt er mich an seinen Erkenntnissen teilhaben: Motor (reinrassiger Sauger mit 510 PS), Fahrleistungen (3,6 Sekunden von 0–100 km/h, Topspeed 320 km/h), sequenzielles 6-Gang-Getriebe (Dauer der Zugkraftunterbrechung 60 Millisekunden), Gewicht nur etwas über 1400 Kilogramm – vollgetankt mit 95 Litern Kraftstoff.

Im Ferrari 430 Scuderia ging es über die Rennstrecke.

Besonders an dem Wagen sei, dass Michael Schumacher an der Entwicklung des 430 Scuderia maßgeblich mitgewirkt habe. Insbesondere sei es ihm zu verdanken, dass die Dämpfereinstellung mit dem sogenannten „Schumacher-Knopf“ unabhängig vom jeweiligen Fahrprogramm möglich ist.

All das ist mir nicht neu, aber ich möchte seinen Enthusiasmus auf keinen Fall bremsen. Die genannten Leistungsdaten waren damals – der Wagen kam 2007 auf den Markt – durchaus eine ordentliche Hausnummer. Nach heutigen Maßstäben ist man damit natürlich nicht mehr ganz vorne mit dabei. Der Nach-Nach-Nachfolger kommt im Frühjahr 2026 als Hybrid auf den Markt und soll dann 880 PS auf die Straße bringen sowie nur noch 2,7 Sekunden bis 100 km/h benötigen.

Dafür kann ich als alter Fahrer – mittlerweile 72 – das „Historische“ wiederum sehr genießen: insbesondere die ansatzlose Gasannahme und den kleinen „Tritt ins Kreuz“ beim Gangwechsel. Schließlich bauen wir das Gästebett anstelle des Essplatzes auf. Klaus darf als Besuch allerdings „im großen Bett“ schlafen. Die räumliche Trennung mit „Badezimmer“ und dickem Vorhang zwischen den Betten sorgt dafür, dass etwaige Schnarchgeräusche den Schlaf des anderen nicht stören.

Am folgenden Montagmorgen stellen wir fest, dass wir beide gut geschlafen haben. Nach der Morgentoilette fahren wir mit dem Wohnmobil noch vor dem Frühstück ins Fahrerlager, damit wir beim Einchecken nicht so lange anstehen müssen. Alles geht zügig in der Pistenclub-Box vonstatten: Wir kleben die Startnummern ans Auto und holen uns danach noch einen Kaffee. Dann beginnt auch schon das Briefing oben im Pressezentrum, das Klaus auf keinen Fall verpassen will, da er an allem, was mit dem Trackday zu tun hat, großes Interesse hat.

Im Pressezentrum fand das Briefing statt.

So folgt er aufmerksam der „Flaggenkunde“ und den Regeln, die beim Befahren der Strecke gelten. Besonders angetan hat es ihm die Aussage von Instruktor Martin, dass wir hier kein Rennen fahren, sondern miteinander und nicht gegeneinander unterwegs sind. Dazu gehört natürlich auch, dass man schnellere Fahrzeuge vorbeilässt und diese Absicht sinnvollerweise durch Blinken nach rechts oder links – immer dahin, wo man hinfahren will – anzeigt.

Am Ende des Briefings macht sich allerdings zunächst Enttäuschung breit. Das schlechte Wetter vom Vorabend mit mehr oder weniger starkem Regen hat sich bislang nicht gebessert. Für Veranstaltungen mit dem Pistenclub ist das äußerst ungewöhnlich – nach meiner Erfahrung herrscht bei etwa 99,5 Prozent aller dieser Events schönes oder zumindest trockenes Wetter. Bei Nässe mit Semis zu fahren, ist keine gute Idee, unter anderem weil wegen der niedrigen Temperaturen die Reifen nicht warm genug werden, um eine vernünftige Haftung aufzubauen. Also lassen wir das Auto erst einmal auf dem Trailer stehen, setzen uns ins trockene Wohnmobil und genießen nun ein ausgiebiges Müsli-Frühstück, das wir zuvor verschoben hatten. Ich empfehle Klaus, ordentlich zu essen und den Magen gut zu füllen, weil manche Leute, die ich früher einmal mitgenommen habe, schnell unter Übelkeit gelitten haben – was dann zu einem Ende der Mitfahrt schon nach wenigen Runden führte.

Aufgrund des anfänglichen Regenwetters blieb der Ferrari zunächst noch in der Box.

Nach dem Frühstück sprechen wir mit anderen Pistenclub-Mitgliedern und schauen uns deren Autos an. Da Ferraris bei solchen Trackdays eher Exoten sind, schaut der eine oder andere auch gerne einmal bei uns vorbei. Am späten Vormittag wird das Wetter etwas besser: Der Regen lässt nach, und Wind sowie die auf dem Kurs fahrenden Fahrzeuge sorgen dafür, dass die Strecke langsam abtrocknet. Ich beschließe, einen Versuch zu riskieren.

Nach dem Abladen helfe ich Klaus beim Anlegen der – auf Empfehlung von Instruktor Dieter am Salzburgring – nachgerüsteten Vierpunktgurte. Dann drücke ich den Startknopf, und der Motor springt mit einem automatisch gesteuerten Gasstoß an. O-Ton Klaus: „Da spüre ich ja nicht nur jedes einzelne PS, sondern bekomme auch noch Gänsehaut durch die Kleidung!“ Da der Luftdruck in den Reifen vom letzten Trackday noch sehr niedrig ist, lasse ich in der Box etwas Luft nachfüllen. Dann wagen wir uns auf die Strecke.

Es geht zunächst langsam los – Auto und Reifen müssen ja erst einmal angewärmt werden. Aber auch danach fahre ich mit „gebremstem Schaum“. Das dient nicht nur der Sicherheit, sondern gibt Klaus auch die Möglichkeit, sich an die Situation zu gewöhnen. Auf der Start- und Zielgeraden kann ich nach ein paar Runden schon etwas mehr Gas geben, sodass das Motorengeräusch gut zur Geltung kommt – was Klaus jedes Mal aufs Neue fasziniert. Nach dem Stint geht es durch die Boxengasse zurück zu unserem
Parkplatz. Ich kontrolliere noch schnell Reifentemperatur und Luftdruck – alles im grünen Bereich – und öffne die Heckklappe ein Stück, damit der Motor besser abkühlen kann. Danach gehen wir in die Pistenclub-Box und genießen unser leckeres Mittagessen samt Espresso.

Auch unter der Haube ist der Wagen ansehnlich.

Beim Essen erzählt mir Klaus: „Ein besonders schönes Gefühl habe ich aus meiner Erinnerung heraus: Vor vielen Jahren habe ich ein Formel-1-Wochenende hier am Nürburgring erlebt. Ich saß ausgangs der Start- und Zielgeraden im Mercedes-Motodrom und habe unter anderem Michael Schumacher zugeschaut – und heute brause ich selbst mit dir über die Strecke. Unglaublich!“

Ich habe schon eine ganze Reihe von Mitfahrern auf Trackdays im Auto gehabt und ein großes Spektrum an Reaktionen erlebt. Diese reichten von totaler Begeisterung über Angstzustände bis hin zu starker Übelkeit, weil die Fliehkräfte doch deutlich höher sind als auf öffentlichen Straßen. Klaus gehört ganz klar zur ersten Kategorie. Er lässt
sich keine Angst anmerken und vertraut mir. Er sagt: „Auch wenn es an manchen Stellen schon etwas gewöhnungsbedürftig ist, habe ich immer das Gefühl, dass du ein erfahrener und sicherer Pilot bist.“ Das freut mich natürlich.

Die Pause vergeht wie im Flug, und schon beginnt der nächste Stint. O-Ton Klaus (aus einem kleinen Dankschreiben, das er mir später zukommen ließ):

„Hier konntest du die Geschwindigkeit bereits steigern, weil es immer trockener wurde. Auch die Kurvenfahrten – das Salz in der Suppe – sind deutlich flotter geworden. Ich habe ein richtiges Race-Feeling gespürt, zum Beispiel in der Schumacher-S-Kurve über die erhöhten Curbs. Später auf der langen Start-Ziel-Geraden konntest du mir zeigen, welchen Speed der Ferrari entwickeln kann. Einfach ein super Gefühl! Ich habe das Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Von mir aus hätte es immer so weitergehen können!“

Schließlich steht unser letzter Stint an, in dem es noch einmal schneller geht, da die Strecke mittlerweile komplett trocken ist. Schweren Herzens packen wir danach unsere Sachen ein und verladen den guten „Scudi“ wieder auf den Anhänger. Heiner Pabst schickt mir noch schnell ein kurzes Video über WhatsApp, das er während des ersten Stints bei noch nasser Straße aufgenommen hat, als er einmal hinter uns hergefahren ist. Die kleinen Schweißperlen auf meiner Stirn – wegen der doch noch ziemlich nassen Strecke – sieht man auf dem Film allerdings nicht. Klaus ist völlig erfüllt von dem Erlebten, den Impressionen und seinem „Gänsehautgefühl“ und hat konsequenterweise bereits „Wiederholungsbedarf“ angemeldet.

Klaus mit Martins Ferrari.

Abschließend gebührt dem anwesenden Pistenclub-Team Dank für die wieder einmal hervorragende Organisation, die gute Versorgung mit Getränken und Essen sowie den reibungslosen Ablauf. Trotz des suboptimalen Wetters hat es nicht einmal Zwischenfälle auf der Strecke gegeben – also (bis auf das Wetter am Vormittag) alles bestens.

Bis zum nächsten Mal – vielleicht wieder mit Klaus!

  • Martin Diepolder
    Autor

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