Unter 900 kg
Der vermutlich leichteste Mini R53
Wie leicht kann ein Mini R53 werden – und wie schnell? Diese Frage stellte sich Kevin Boretzki und machte sie zu einem kompromisslosen Projekt. Aus einer nackten Karosse entstand in unzähligen Stunden ein radikales Leichtbau-Tracktool, das sogar mit vollem Tank die 900-kg-Marke knackt.
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Veröffentlicht am13. Mai 2026
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Text | Fotos:Kevin Boretzki
Mein Name ist Kevin Boretzki, ich bin 28 Jahre alt und komme aus der Nähe von Schwäbisch Hall. Ich bin gelernter Industriemechaniker und, seit ich denken kann, begeistert von Autos und Motorsport. Vor einiger Zeit habe ich mich dem Mini R53 verschrieben und dieses Thema zu meiner großen Leidenschaft gemacht. Inzwischen ist das Ganze so weit eskaliert, dass ich vermutlich den leichtesten R53 überhaupt gebaut habe. Gerne möchte ich erzählen, wie es dazu kam und was hinter dem Auto steckt.
Aber wo fange ich an? Vielleicht bei meinem alten R53, mit dem vor gut sieben Jahren alles begann. Mein Vater besaß einen BMW 320 E30, und schon als Kind habe ich mit ihm zusammen geschraubt. Meine Mutter hatte früher einen Classic Mini, und mein bester Kumpel kaufte sich irgendwann einen Mini R53. Als ich das erste Mal damit gefahren bin, war es sofort um mich geschehen. Der Kompressorsound, das typische Kart-Feeling – das war schon etwas ganz Besonderes. Kurze Zeit später kaufte ich mir selbst einen Mini R53 John Cooper Works Facelift. Natürlich blieb das Auto nicht lange im Serienzustand. Bereits am Tag des Kaufs montierte ich ein kleineres Kompressorrad – beim R53 quasi Pflicht. Aber natürlich blieb es nicht dabei. Kumpels von mir fuhren Touristenfahrten am Nürburgring, und ich fand das einfach mega: mit dem eigenen Auto auf die Rennstrecke. Genau das wollte ich auch. Also beschloss ich, den Mini als Tracktool für die Rundstrecke umzubauen. Überrollkäfig, Sitze, größere Bremse, Innenraum leerräumen und Gewicht sparen – das typische Programm. Kurze Zeit später folgten die ersten Einsätze auf verschiedenen Rennstrecken. Über drei Jahre hinweg ging das immer weiter. Das Auto wurde kontinuierlich optimiert, schneller gemacht, und meine Leidenschaft fürs Schrauben und Tüfteln wuchs immer stärker. Besonders das Thema Gewichtsreduzierung faszinierte mich. Der Motor blieb weitgehend seriennah, doch allein durch weniger Gewicht wurden die Rundenzeiten immer besser.
An dieser Stelle muss ich unbedingt eine Person erwähnen, die mich stark geprägt hat: Tom Bräuer. Ein Ingenieur mit beeindruckenden technischen Fähigkeiten und Ideen. Sein Mini R50 mit Einzeldrossel und 167 PS, radikal für die Rennstrecke umgebaut, wiegt gerade einmal 879 Kilogramm trocken.
Wie so viele Mini-Fahrer wollte ich bei ihm zunächst nur einen Satz seiner bekannten Leichtbau-Fußstützen kaufen. Damit fing alles an. Über die Jahre hinweg hat er mich dann – hoffentlich – ins Herz geschlossen und mich motorsportlich stark begleitet. Mein halbes Auto besteht inzwischen aus Teilen von ihm. Dafür an dieser Stelle: Danke!
Der alte Mini
Mein ursprünglicher Mini wurde immer radikaler und war irgendwann auch nicht mehr für die Straße zugelassen. Im finalen Setup hatte das Auto rund 230 PS und wog randvoll getankt 996 kg. Alle Karosserieteile waren noch aus Blech – mein großes Ziel war es damals, unter die 1000-Kilo-Marke zu kommen. Die meisten Rennstreckenkilometer sammelte ich auf dem Hockenheimring, meiner Heimstrecke. Meine schnellste Runde mit dem Mini war eine 2:05,31 Minuten auf der GP-Variante – gefahren auf ziemlich abgefahrenen Kumho V70 Semislicks. Natürlich geht da noch einiges mehr, wenn alles passt. Eigentlich wollte ich mit diesem Auto weiter angreifen. Doch durch einige Umstände und Zufälle kam alles anders. Und genau hier beginnt mein aktuelles Projekt.
Der neue Anfang
Mein ursprünglicher Plan war, den schwarzen Mini weiter umzubauen und eine Sicherheitszelle einschweißen zu lassen. Doch eines Tages stand ich am Nürburgring in einer Schrauberhalle vor mehreren R53-Karossen – unter anderem ehemaligen Challenge-Autos. Eine davon war zu verkaufen. Also kaufte ich eine Karosse inklusive Raceparts CC FIA-Zelle und einigen Carbonteilen. Ein ziemlich guter Deal – schließlich war das genau das, was ich immer haben wollte. Also: Anhänger geschnappt, das Ganze ins Schwabenland transportiert, abgeladen – und erst einmal überlegt, was ich jetzt eigentlich genau damit mache. Zu diesem Zeitpunkt war mein schwarzer Mini noch einsatzbereit und wurde weiterhin gefahren. Gleichzeitig gingen mir mehrere Möglichkeiten durch den Kopf: Baue ich ein komplett neues Auto auf und verkaufe den alten Mini? Übernehme ich nur Teile? Lackiere ich die Karosse neu? Nach welchem Reglement will ich überhaupt fahren? Mit der Zeit wurde mir aber immer klarer, dass es für mich nur einen Weg gibt – den radikalsten. Wer mich kennt, weiß: Wenn ich etwas mache, dann richtig. Ich möchte immer das Maximum herausholen und habe klare Vorstellungen. Im Grunde gefiel mir an der Karosse nur die Zelle – der Rest bot in meinen Augen enormes Potenzial zur Gewichtsreduzierung und Optimierung.
Das Konzept: Lightweight Mini
Also stellte ich mir eine simple Frage: Wie leicht und schnell bekommt man einen Mini R53? Tom Bräuer hatte mit seinem R50 die Messlatte bereits extrem hochgelegt. Aber beim Kompressormodell R53 musste das doch auch möglich sein. So entstand das Projekt Lightweight Mini. Ich setzte mir mehrere Ziele:
- Unter zwei Minuten auf der Hockenheim GP-Strecke
- Aber am wichtigsten war für mich immer: Spaß am Schrauben und Tüfteln.
Radikale Gewichtsreduktion
Den schwarzen Mini schlachtete ich schließlich komplett, um möglichst viele Teile zu übernehmen. Über ein Jahr lang beschäftigte ich mich ausschließlich mit der Karosse. Ich entfernte alles, was nicht zwingend notwendig war: Dach raus → später GFK-Dach (-7,5 Kilo); Unterbodenschutz entfernt (-9 Kilo); Halter, Gewinde, Verstärkungen – alles weg. Ich kann mit Stolz sagen: An der Karosse gibt es kein unnötiges Gewinde mehr. Ich kaufte mir ein Schweißgerät und setzte meine ersten eigenen Schweißnähte. Wichtige Bereiche wurden nachgeschweißt, um die Steifigkeit zu erhöhen. Außerdem baute ich einen eigenen Lenkstockhalter – mehr als drei Kilo leichter als das Originalteil. Über Instagram lernte ich außerdem Sören kennen, der selbst Bergrennen fährt und Kevlarteile herstellt. Gemeinsam entstanden Kevlar-Seitenwände, die nochmals mehr als acht Kilo Gewicht einsparten. Das finale Gewicht der nackten Karosse lag schließlich bei 247 Kilogramm.
Zusammenbau
Danach begann der Zusammenbau – Lego für Erwachsene. Innerhalb von eineinhalb Jahren baute ich das komplette Auto auf. Jedes Bauteil wurde überprüft, erleichtert oder verbessert. Manchmal sparte ich mehrere Kilogramm – manchmal nur zehn Gramm. Aber am Ende macht die Summe den Unterschied.
Der Kabelbaum war eine besondere Herausforderung. Zwar konnte ich rund zehn Kilo Gewicht einsparen, aber danach funktionierte zunächst gar nichts mehr – CAN-Bus-Fehler ohne Ende. Zum Glück half mein Freund Seb, der noch einen Ersatz-Kabelbaum hatte. Also alles noch einmal von vorne: Kabel entfernen, testen, wieder entfernen. Eine Woche später liefen Motor und Elektrik endlich wieder.
Der Moment der Wahrheit
Dann kam der große Moment: Wiegen. Mein Ziel war unter 880 Kilo trocken. Als ich die Anzeige auf der Waage sah, konnte ich es kaum glauben: 863 Kilo ohne Sprit, 904 Kilo vollgetankt. Damit hatte ich gegenüber der Serie rund 400 Kilo Gewicht eingespart. Die erste Fahrt war extrem emotional. Das Auto fühlte sich an, als hätte es locker 100 PS mehr als mein alter Mini. Das Einlenken – unglaublich direkt. Der Moment, in dem ein Auto, das man komplett selbst aufgebaut hat, auf der Rennstrecke funktioniert – unbeschreiblich.
Realität im Motorsport
Natürlich blieb es nicht ohne Probleme. Eigentlich kann man sagen: Kein einziger Testtag ohne neue Defektliste. Die größten Baustellen waren die Antriebswellen und die Elektrik. Die Antriebswellen waren zu kurz, Manschetten platzten ständig. Gemeinsam mit meinem Freund Hauke Weber verlängerten wir originale Wellen. Dank eines speziellen Fetts meines Sponsors Bardahl Deutschland halten inzwischen auch die Manschetten. Elektrisch wird das Auto im Winter auf ECU-Master-Steuerung umgerüstet – ein wichtiger Schritt für die Zukunft.
Der aktuelle Stand
Über die letzte Saison konnte ich das Gewicht immer weiter reduzieren, zuletzt lag das Fahrzeug bei 897 Kg vollgetankt, was hauptsächlich durch eine Titan Abgasanlage von KC Customparts realisierbar war. Der Fokus steht aktuell weiterhin auf Fehler ausmerzen und Kilometer sammeln. Schließlich habe ich noch ein paar R53 Rekorde im Visier und ich schmiede Pläne das Auto tatsächlich trocken unter 800 Kg zu bekommen.
Erste Ergebnisse
Ein Highlight war definitiv auch das „Lass mal fahren“-Video mit JP Performance. Außerdem konnte ich meine Bestzeit in Hockenheim bereits verbessern: 2:04,22 Minuten bei 36 Grad und mit Beifahrer. Das zeigt, wie viel Potenzial noch im Auto steckt.
Danke
Zum Abschluss möchte ich mich bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg unterstützt haben. Ohne euch wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen: meine Familie und Freunde, Arteq, Rensgear53, KC Customparts, Gutachter Kiwi, Bardahl Deutschland, Scheller Dellentechnik, Haas Bauunternehmen, Mini Brothers, Pure Motorsports Equipment und HZS Bau.
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Kevin BoretzkiAutor
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