Bella Figura im Oldtimer

Erst waren da die roten Schuhe, ein Geburtstagsgeschenk für die Liebste, dann kam Corona, dann lange nichts. Bis Anfang April, an einem sonnigen Sonntag, südlich von Mailand. Petra darf endlich Gas geben, auf dem Circuito Tazio Nuvolari.
  • Text:

    Markus Schmidt

  • Fotos:

    nivolafoto, Markus Schmidt

Erste Frage angesicht des spärlich besetzten Parkplatzes an der Rennstrecke: Wo sind denn alle? Nördlich der Alpen hatte ein heftiger Wintereinbruch wohl etliche Rennfahrer zum Umkehren gezwungen. Mit Semislicks durch den Schnee? Muss man nicht haben. Also weniger Verkehr, umso besser für uns und Petras Rennstrecken-Premiere hinter dem Steuer.

Noch dazu, weil wir mit Abstand das älteste Auto mitbringen. Mein gulfblauer Neunelfer ist Baujahr 1971, im Laufe der Jahre umgebaut zu einem straßentauglichen Trackday-Auto im RS Look. Im Vergleich zu modernen Autos schwankt er durch die engen Kurven wie ein Schiff. Bei Flotter Fahrweise hat man alle Hände voll zu tun, um ihn im Kammschen Kreis der Haftreibung zu halten, während die Neuwagenpiloten hinter einem wahrscheinlich gelangweilt am Sendersuchlauf spielen. Mit diesem Auto fing ich mir das Rennstreckenvirus vor über zehn Jahren ein. Mittlerweile gibt es noch einen anderen alten Porsche und historische Autorennen in der Youngtimer Trophy. Und den unbedingten Wunsch, die Leidenschaft mit Petra zu teilen.

Mit dem L auf dem Heck ("Learner") wird man besonders rücksichtsvoll überholt.

Also schnell beim freundlichen Pistenclub-Team eingecheckt und das rote "L" aufs Entenbürzel geklebt, harmoniert super mit den roten Rennschuhen. Dann durfte ich ein paar Runden die Strecke bsichtigen, Petra auf dem Beifahrersitz. Der Circuito Tazio Nuvali, benannt nach dem wohl besten italienischen Rennfahrer aller Zeiten, der in den 1930er-Jahren alles gewann, ist ein kleiner, sehr kurviger Kurs. Reifen und Bremsen kommen hier schnell auf Betriebstemperatur. Mit ein paar Ausnahmen findet man Brems- und Lenkpunkte recht bald. So, Zeit für einen Fahrerwechsel.

Mit Begeisterung bei der Rennstreckenpremiere unterwegs waren Petra und Markus Schmidt.

Erster Eindruck: Die Frau unter dem Helm tastet sich von oben ans Limit heran. Petra ist eine zügige Autofahrerin, vom Beifahrersitz aus gesehen eher zu zügig. Der Haken an den Elfern, besonders den alten, ist ja der merkwürdig weit hinten liegende Schwerpunkt. In einer schnellen Kurve vom Gas gehen ist also nicht. Sonst überholt einen das Heck. Aber lieber hier was gelernt, als im Straßenverkehr. Also langsam in die Kurve rein und schnell raus. Und die ganze Breite der Strecke nutzen. Immer dahinfahren, wo die Curbs vom Gummi schwarz sind. Und viel schneller als ich damals, hat Petra den Bogen raus. Dreht Runde um Runde, grinst. Der Mann auf dem Beifahrersitz entspannt sich.

Dann, wieder auf dem Parkplatz, bewundernde Blicke und lobende Kommentare. Weil, die erdrückende Mehrheit der Trackday-Piloten überall sind Männer. Sicher wünschen sich manche, die Partnerin würde auch mal auf den Fahrersitz wechseln. Und dann jedes freie Wochenende gemeinsam auf der Rennstrecke verbringen - Männerträume eben... Petra ist happy und begeistert. Aber das alte Auto tut ihr leid. Wie es mit den Drehstabfedern ächzt und mit den Stabis quietscht und wie es Reifen frisst. Also erst einmal Mittagspause. Piadina und Espresso, nette Gespräche mit anderen Petrolheads. Ein cooles Vater-Sohn-Team ist im Cayman GT4 unterwegs.

Mit einem gulfblauen 911er Baujahr 1971 unterwegs auf dem Circuito Tazio Nuvolari bei Mailand.

Petra darf ein paar Runden im Cayman mitfahren und erleben, was es heißt, wenn einer Kart fährt seit er klein ist. Mit blasser Nase steigt sie trotzdem wieder in den alten hellblauen Porsche und überträgt das eben gelernte auf die analoge alte Technik, so gut das eben geht. Nachdem ich dann auch noch einige Runden gedreht hab, ist die schwarze Wand da. Seit Mittag schon konnten wir den Regen über den banchbarten Bergen sehen. Und darum verzichten wir auf weitere Drifttrainings und mögliche Ausritte ins Kiesbett und packen ein. Schließlich müssen wir noch auf Achse ins ligurische Ventimiglia.

Während einer köstlichen Pizza dort scannen wir die nächsten Pistenclub-Termine. Die schnellen roten Schuhe bleiben jedenfalls gleich im Auto...

Termine Tazio Nuvolari Circuit

Trackday Tazio Nuvolari
07.04.2023 09:00
Preis: ab 390€
Trackday Tazio Nuvolari
28.05.2023 09:00
Preis: In Kürze buchbar
Trackday Tazio Nuvolari
15.07.2023 09:00
Preis: In Kürze buchbar
Trackday Tazio Nuvolari
13.10.2023 09:00
Preis: In Kürze buchbar

Markus Schmidt

Porsche 911

Wir bedanken uns bei Markus Schmidt für den Bericht und belohnen diesen mit einem Gutschein für einen Trackday seiner Wahl.

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