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Michael Korbion steht euch seit einigen Jahren als Instruktor bei vielen unserer Veranstaltungen zur Verfüfung. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Rennfahrer und Fahrtrainer ist er eine absolute Bereicherung für unser Team. In unserem Interview erzählt er, wie es dazu kam und wie ihm das schnelle Autofahren die Aufmerksamkeit der Polizei bescherte.

 

Pistenclub: Michael, wenn die Polizei Kontakt mit jemandem aufnimmt, weil man schnell gefahren ist, dann ist das meistens ärgerlich und kostet eine Menge Geld. Nicht so in deinem Fall. Aber fangen wir vorne an. Wie kam es dazu und seit wann bist du aktiver Motorsportler?

Michael Korbion: Mein Interesse an Autos war immer schon sehr groß und ich war auch ohne Führerschein bei vielen Rennen als Zuschauer dabei. Mein Vater hielt nichts von meiner Leidenschaft. Ich denke als Polizeibeamter hast du zunächst mal eine andere Sichtweise zum schnellen Fahren. Ernst wurde es dann im Jahr 1984. Damals benötigte man zum Erwerb der Jahreskarte für die Nordschleife noch eine Rennlizenz. Heute werden die Lizenzen vom DMSB ausgegeben, früher war dies noch die Oberste Nationale Sportbehörde, kurz ONS. Ein Jahr später bekam ich dann meine internationale C-Lizenz, mit der ich direkt VLN-Langstreckenrennen auf der Nordschleife, sowie dem berühmten 24-Stunden-Rennen fahren konnte. Damals ging das alles noch etwas unkomplizierter als heute, wo man zunächst die Nordschleifen-Permit erwerben muss, bevor man in einem VLN- oder 24h-Rennen auf der Nordschleife an den Start gehen darf.

 

Pistenclub: Heute ist der Motorsport auf der Nordschleife nicht nur mit vielen Hürden sondern auch mit einem großen Geldeinsatz verbunden. War das früher auch schon so?

Michael Korbion: Nein das war früher noch nicht so extrem. Auch bewegte sich der Motorsport in den 80er Jahren noch auf einem ganz anderen Level. Heute wird die VLN von professionellen Rennteams mit Werksunterstützung dominiert, die Hersteller nutzen das 24-Stunden-Rennen als Plattform für das eigene Marketing. Als ich meine ersten Rennen fuhr, schraubte man noch die Nummernschilder vom eigenen Pkw ab und ging damit an den Start. Viele hatten nur einen Satz Räder zum Wechseln dabei, den sie im Kofferraum transportierten. Die Anreise auf eigener Achse war damals nicht unüblich. 

Mein Vater war wie gesagt nicht sonderlich erfreut über mein Hobby, weshalb ich nicht mit großer finanzieller Unterstützung rechnen konnte. Außerdem fiel mir als Soldat der Luftwaffe die Finanzierung sehr schwer. Umso größer die Freude, als ich einen großartigen Mentor traf, der mich in vielerlei Hinsicht unterstützte und mir das Fahren bei allen Witterungen und in verschiedenen Fahrzeugen ermöglichte. Ebenfalls unterstützte mich ein Ford Autohaus, die ersten Rennstarts erfolgten auf einem Fiesta XR2, später Escort RSi und Sierra XR4i bei den 24h.

 

Pistenclub: Bist du der Marke Ford im Lauf deiner Karriere treu geblieben oder waren auch ein paar Seitensprünge dabei?

Michael Korbion: Da gab es eine ganze Reihe von Autos. Parallel zur Rundstrecke fuhr ich mit einigen privat eingesetzten VW Golf I und II bei diversen Slalomrennen z. B. auf großen Supermarktparkplätzen oder Flugplätzen und Bergrennenstrecken an der Mosel. Auch hier stellten sich Erfolge ein, einige der Pokale von damals stehen immer noch bei mir zu Hause.

Bei den Langstreckenrennen waren es anfangs die oben genannten Modelle der Marke Ford, Anfang der 90er Jahre fuhr ich dann einige Rennen für ein BMW Team aus Rosenheim. Mit meinem damaligen etwas jüngeren Teamkollegen Alexander Burgstaller teilte ich mir einen BMW E30 M3 in der Klasse N4. Während Alexander später sogar Werksfahrer bei BMW wurde, war ich mit 26 Jahren offenbar schon zu alt für einen Werksvertrag.

Ende der 90er Jahre übernahm ich dann als Fahrer und Teamchef drei Opel Astra von HG Müller und dem Team Hirt Motorsport, bekannt unter “ITT - Keine Macht den Drogen”. Die Opel starteten in der Klasse N3 bis zu 2 Litern Hubraum. Damals war dies die am meisten umkämpfte Klasse, aus der auch viele Meister der VLN Gesamtwertung hervorgingen. Mit dem Team folgten einige Klassensiege und mein bisher größter Erfolg: Ein Gruppen- und Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Jahr 1999.

Bunt gemischtes Starterfeld. Während heute reinrassige Rennwagen die Langstreckenrennen auf dem Nürburgring dominieren, waren umgebaute Serienwagen früher häufig gesehen.

 

Pistenclub: Wie schon eingangs erwähnt, rücktest du irgendwann in den Fokus der Polizei. Wolltest du in die Fußstapfen deines Vaters treten oder wie kam es dazu?

Michael Korbion: Nein, Polizeibeamter wollte ich nie werden. Die Polizei Rheinland-Pfalz wurde tatsächlich nicht durch Geschwindigkeitsüberschreitungen, sondern u.a. durch meine Erfolge auf dem Nürburgring auf mich aufmerksam. Es ging damals um die Ausbildung der Polizeikräfte und um das Fahren mit höheren Geschwindigkeiten. An der Landespolizeischule wurde ich ab 1998 zum Fahrtrainer ausgebildet. Die Tätigkeit umfasst einfache Fahrsicherheitstrainings bis hin zum Fahren mit Höchstgeschwindigkeit auf der Nordschleife, wo wir wieder am Beginn meiner Karriere wären.

Als Fahrtrainer muss man die Theorie nicht nur so gut beherrschen wie die Praxis, man muss sie auch vermitteln können. Wie hier beim obligatorischen Briefing vor dem Trackday.

 

Pistenclub: Die jahrelange Erfahrung auf der Nordschleife brachte dir auch noch einen ganz besonderen Job ein.

Michael Korbion: Ja, von 2012 bis 2013 durfte ich einem absoluten Traumjob nachgehen. Einer der großen Autohersteller aus Stuttgart suchte „ältere“ Herren mit sehr viel Routine auf dem Nürburgring als Fahrer für den Industriepool. Das sind bestimmte Tage, an denen ausschließlich Fahrer mit einer gesonderten Lizenz auf die Strecke dürfen, um Vorserienfahrzeuge und Prototypen zu testen. In erster Linie geht es um das Erproben von Belastung und Haltbarkeit. Das heißt, es wird in vollem Tempo gefahren, egal ob Sportwagen, Limousine oder SUV. Benzinverbrauch, Reifen- und Bremsenverschleiß spielen dabei keine Rolle, es geht ausschließlich um Geschwindigkeit und Querbeschleunigung. Natürlich wurden die einzelnen Rundenzeiten aufgezeichnet und ausgewertet. Da kamen an einem Tag auch mal locker 30 bis 40 Runden zusammen. Alleine im Auto ist das wirklich extrem anstrengend, zumal die Prototypen und Vorserienmodelle in der Regel nicht über Luxus wie eine Klimaanlage verfügen. Und gefahren wurde auch bei über 30 °C Außentemperatur. Aber ich war „alt“ und brauchte das Geld.

 

Pistenclub: Kannst du beziffern, wie viele Runden du in deinem Leben auf der Nordschleife abgespult hast?

Michael Korbion: Irgendwann hört man natürlich auf zu zählen, aber die 20.000 Runden habe ich in den 33 Jahren am Ring sicherlich geknackt (über 400.000 km, Anm. d. Redaktion), davon etwa ein Viertel im Rennauto. In Summe bin ich bei über 100 VLN-, RCN und 24-Stunden-Rennen gestartet.

Mit meinem Privatfahrzeug befahre ich den Nürburgring aber kaum noch. Durch das Coachen von Teilnehmern bei verschiedenen Veranstaltungen und Fahrerlehrgängen (im Jahr 2016 über 20 Stück) habe ich das große Glück, viele aktuelle Sportwagen der Teilnehmer auf der Rennstrecke fahren zu dürfen. Das macht wirklich Spaß und man kommt trotz der immer weiter steigenden PS-Zahlen nicht aus der Übung. 

Auch im Motorsport ist Michael noch aktiv, hier im BMW M3 (E90) mit V8-Motor und 420 PS.

 

Pistenclub: Wie kamst du zum Pistenclub und was macht den Verein für dich so besonders?

Michael Korbion: Seit nunmehr 20 Jahren arbeite ich als Fahrtrainer und Coach auf Rennstrecken. Vor etwa 10 Jahren erwarb ich meine erste Instruktorlizenz Stufe B des DMSB, später dann die Lizenz Stufe A, somit darf ich als leitender Instruktor für die Lizenzlehrgänge Stufe national A tätig sein.

In der Szene kommt man am Pistenclub nicht vorbei, auch wenn es dort nicht um das Erzielen von Höchstgeschwindigkeiten geht, ist der Pistenclub vielen Motorsportlern ein Begriff. Die Arbeit beim Pistenclub ist für mich sehr reizvoll, denn im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltern sind wir auf sehr vielen Strecken in ganz Europa unterwegs. Von Zandvoort in den niederländischen Dünen bis hin zu den wunderschönen Rennstrecken in Italien. Da kommt man doch sehr viel rum. An manchen Tagen, wenn ich morgens im Hotelzimmer aufwache, muss ich mich erstmal orientieren und aus dem Fenster schauen, auf welcher Rennstrecke ich heute arbeiten darf. Ein absoluter Traum!

 

Pistenclub: Wir danken dir für das Interview und wünschen dir viel alles Gute für die Zukunft und freuen uns auf viele weitere Veranstaltungen mit dir.

 

Pistenclub e.V.

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