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Wir freuen uns euch mitteilen zu können, dass wir unsere aktuellen Termine wie geplant durchführen können. Natürlich achten wir gemeinsam mit den Streckenbetreibern auf die Einhaltung aller geltenden Hygienevorschriften, um unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten: Haltet 1,5 m Abstand zu anderen Personen. Tragt in geschlossenen Räumen einen Mund-Nasen-Schutz. Bei 2 Personen, aus getrennten Haushalten, im Fahrzeug sind Sturmhauben oder Masken Pflicht (Helm natürlich auch). Wascht regelmäßig und gründlich eure Hände. Desinfektionsmittelspender stehen ebenfalls bereit. Verzichtet zudem bitte auf jeglichen Körperkontakt wie Händeschütteln oder Umarmungen.

...bleibt gesund!

Für die Kurven "Pouhon", "Raidillon Eau Rouge" und "Blanchimont" auf der Rennstrecke von Spa sollte man eine ganz besondere Herangehensweise wählen. Unser langjähriger Instruktor Martin Dose erklärt, wie man die drei Biegungen am besten bewältigt.

 

In Anlehnung an einen bekannten Musiktitel von Salt 'n' Pepa aus dem Jahre 1991 fällt mir spontan ein: Let's talk about Spa, Baby. Legendär, Vollgasstrecke, trennt Männer von Buben und Ardennen-Achterbahn sind nur einige Attribute der mit 7,004 Kilometer nach wie vor längsten Rennstrecke im Aktuellen Formel-1-Kalender. Aber zur Sache: Wir haben für den Anfang der geplanten Serie "Kurvendiskussion" an dieser Stelle zunächst "nur" drei der insgesamt 19 Kurven der belgischen Traditionsstrecke für den geneigten Pistenclub-Sportfahrer gewählt:

  1. Raidillon (französisch für "Steige" oder "steile Strecke") de l'Eau Rouge — benannt nach dem gleichnamigen eisen- und mineralhaltigen Bachlauf
  2. Pouhon oder auch "Double Gauche" — Doppellinks
  3. Blanchimont I und II

 

1. Raidillon Eau Rouge

Nach der neuen Start-Ziel-Geraden und der ersten Kurve (Spitzkehre) "La Source" folgt ein leichter, längerer Rechtsbogen bergab, in den je nach Getriebeabstufung bis in den fünften oder sechsten Gang beschleunigt wird. Es folgt ein leichtert Linksknick noch bergab, eine kurze (circa 30 Meter) gerade Senke, gefolgt von einer langgezogenen Kurve rechts-bergauf (18 Prozent Steigung!) und abschließend einem Knick links über die Kuppe, welche in die weiter bergauf führende Kemmel-Gerade mündet.

Soweit die Fakten — aber wo soll denn bitte das Problem sein? Nun, der interessierte sportfahrende Leser weiß, dass dort die aktuellen Formel-1-Boliden dank ausgeklügelter Downforce zumindest im Qualifying-Setup ungebremst jenseits der 300-km/h-Marke purchpfeilen, wohingegen ambitionierte Amateure wie wir bereits ab 160 km/h fahrdynamische Abenteuer erleben dürfen.

Wie so oft gilt der Grundsatz „eher langsam rein und schnell raus“, was in der Praxis bedeutet, dass der erste Linksknick vor der Senke von Eau Rouge mit der Mehrzahl der sportiven Fahrzeuge entweder zwischen den am linken Streckenrand aufgestellten 100 – und 50 Meter Schildern angebremst werden sollte, alternativ in der Senke, wobei der linke Curb samt dort eingelassener Rasengittersteine mit den linken Rädern überfahren werden kann (kein "Muss", geht auch ohne!).

Entscheidend über den weiteren Verlauf einer ebenso flotten wie sicheren Kurvenfahrt ist nun der tatsächliche Einlenkpunkt für den  folgenden, langgezogenen bergauf Rechtsbogen.

Ziel hierbei sollte es sein, unter Teillast den Scheitelpunkt am gelb – roten rechten,  inneren Curb möglichst spät (Ende rechte Grasfläche) zu erreichen, um von dort mit progressivem Gas und geringstmöglichen Lenkwinkel nach links so gerade wie möglich über die das Fahrzeug entlastende Kuppe auf die weiter ansteigende Kemmel – Gerade zu beschleunigen. Ja, ich weiß, hört sich einfacher an als es ist, aber Übung macht bekanntlich den Meister, wobei wir uns ja dem Grenzbereich vorzugsweise in kleinen Schritten von unten annähern!

Häufigste Fehler und mögliche Gegenmaßnahmen:

  1. Zu hohe Eingangsgeschwindigkeit in der Senke – vorher angemessen bremsen, ggf. Ausnutzen der seit 2001 asphaltierten Auslaufflächen links (Eau Rouge) und rechts (Raidillon)
  2. Zu frühes Einlenken nach rechts und damit zu früher Scheitelpunkt – siehe 1.
  3. Zu viel Lenkwinkel nach links und /oder Lupfen vor / auf der Kuppe – siehe 1.

Allerdings werden die "Pirouetten- und Dreherkönige" von einer massiven Mauer zur Linken und einer langen Reihe von Reifenstapeln auf der rechten Seite erwartet!

Der Legende nach soll übrigens Jaques Villeneuve während eines Highspeed-Drehers an dieser Stelle, noch vor dem heftigen Einschlag in die besagten Reifenstapel, aus seinem Lucky Strike BAR Honda Zeit und Funkknopf für die legendäre Ansage an seine Boxencrew gefunden haben: "Get the spare car ready" – wohingegen Michael Schumacher (beste Genesungswünsche an dieser Stelle) auf die Frage "Wie fahren Sie die Eau Rouge-Kurve?" mit der Gegenfrage "Welche Kurve?" seine Vollgasambitionen unterstrichen haben soll.

 

2. Pouhon

Nach erfolgreichem Durchfahren der Kurve Nr. 9 (noch namenlos) im 2. oder 3. Gang auf 430 m ü. NN erfolgt die Anfahrt zur nun folgenden Pouhon (Kurven Nr. 10 und 11) auf der leicht abschüssigen rechten Streckenseite im 4. oder 5. Gang. Die Anbremszone (ABZ) beginnt ab dem rechten, gelbroten Curbanfang und sollte bis zum Einlenkpunkt (ELP) mit Runterschalten in den üblicherweise 3. Gang abgeschlossen sein.

Die Besonderheit dieser langgezogenen Doppellinkskurve erschließt sich schon aus dem Namen – es folge jetzt der Scheitelpunkt (SP) 1, das Heraustragenlassen zum rechten Fahrbahnrand in der Kurvenmitte und bei meist gleichbleibenden Lenkwinkel das Anvisieren des 2. Scheitelpunktes bei progressivem Beschleunigen und / oder Hochschalten in den 4. Gang in Richtung Kurvenendpunkt, nahe am rechten Curb, bei sich leicht öffnendem Radius.

Eine zu optimistische Einlenkgeschwindigkeit endet nach der Umwandlung des früheren Kiesbettes seit dem Jahr 2001 nicht mehr in multiplen Rollen sondern in relativ sicherem Austrudeln in der allerdings durch bunte Reifenstapel, endlich asphaltierten Auslaufzone.

 

3. Blanchimont I und II

Hinter der nach dem belgischen Autojournalisten, Test- und erfolgreichen Rennfahrer (bis in die Formel 1 und nach Le Mans!) benannten „Courbe Paul Frère“ erwarten uns auf dem letzten Streckenkilometer die berühmt-berüchtigten zwei Blanchimont-Kurven, doch nun der Reihe nach:  

Die mit Vollgas im höchsten Gang gefahrene, langgezogene Rechtskurve wird, zumindest am Ende auf Höhe des Einlenkpunktes nach li. (1. ELP)  für die Blanchimont I am grünen Metallwerbebrückengestell, in der Regel ohne Anbremsen, auf der rechten Fahrbahnseite durcheilt. Nach dem intuitiv zu setzenden Scheitelpunkt (1.SP) wird das Auto bei entsprechender sportiver Geschwindigkeit allein von der Fliehkraft nach rechts außen gedrückt um dann, soweit erforderlich, in der Anbremszone (ABZ) auf die passende Einlenkgeschwindigkeit bei 2. ELP reduziert zu werden.

Das "Geheimnis" für die nicht intuitiv einlenkenden Sport- und Rennfahrer liegt nun im Erkennnen (und Anwenden) des passenden Einlenkpunktes. Hierzu ein kleiner Tipp: Sobald man in der Blickführung nach links in die Blanchimont II hinein die ersten, wiederum gelbroten Betonrippen des linken inneren Curbs erblickt: Einlenken! Und zwar weich mit geringstmöglichem Lenkwinkel. Ich weiß, die Formel 1 fährt auch hier "voll" jenseits von 300 km/h, aber wir sind eben keine Vollprofis und sollten unserer sicheren Einlenk- und Kurvengeschwindigkeit schrittweise (vorzugsweise von unten) annähern.

Für alle eine alternative Herangehensweise bevorzugenden Fahrer befindet sich außen hinter den äußeren rechten Rattercurbs(!) und einer, zumindest bei Feuchtigkeit und Nässe, äußerst gleitfähigen, grünen Astroturffläche, eine großzügige Auslaufzone. 

Soweit meine weiterhin unverbindlichen Empfehlungen  –  viel Spaß beim Lesen und Üben, verbunden mit dem abschließenden Ratschlag, dass selbst die beste Kurvenbeschreibung keinesfalls ein hinreichender Ersatz für ein Active Coaching beim Pistenclub sein kann!

 

Pistenclub e.V.

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